Junges Theater

Wer bin ich

Der Betrieb ruht auch im Jungen Theater Göttingen. Geisterkonzerte sollen Menschen erfreuen, die sich für andere einsetzen oder isoliert sind. Und der Intendant kann sich Ernteeinsätze der Kollegen vorstellen. „Eingeigelt“ haben sie sich, sagt Nico Dietrich, „wir halten ein bisschen Winterschlaf“. Der Intendant des Jungen Theaters (JT) hat den Betrieb heruntergefahren. Die Corona-Krise lässt Kulturveranstaltungen bis auf weiteres nicht zu.

Arbeit auf Sparflamme

Die Büros seien derzeit von 10 bis 14 Uhr besetzt, allerdings nur jeweils alleine. Kurzarbeit ist angemeldet, alle Mitarbeiter arbeiten auf Sparflamme. Finanzielle Einbußen müssen die Kollegen nicht hinnehmen, erläutert Dietrich. „Wir stocken auf.“

Etwa 60 Prozent des Theateretats kämen durch Förderung zusammen, 40 Prozent müssen Ensemble, Technik, Werkstätten und Theaterleitung einspielen. Einnahmen gebe es derzeit keine, sagt Dietrich, Ausgaben allerdings auch nicht. Die Förderung alleine reiche nicht für die Löhne, doch mit dem Kurzarbeitergeld könnten die Mitarbeiter zu 100 Prozent bezahlt werden. „Das können wir eine ganze Weile durchhalten“, sagt der Theaterchef. Und: „Wir sind froh, dass wir diesmal kein Sorgenkind sind.“

Problematisch sei die Situation allerdings für die gut ein Dutzend Freiberufler, die für das JT arbeiten. Bis zum Vorstellungsverbot am 13. März seien die Gagen an die Kollegen ausgezahlt worden – auch für die sich anschließenden zwei Wochen zu 50 Prozent, berichtet Dietrich.

Zudem hätten die einen Sozialfonds gegründet, mit dem diese Kollegen unterstütz werden sollen. Daraus seien auch Abschläge für bereits vereinbarte Produktionen gezahlt worden. Auch könnten sie sich Geld vom Theater leihen als Vorab-Honorar für künftige Vorstellungen. „Wir machen uns Sorgen“, bekennt Dietrich. Doch er meint auch: „Die Situation ist nicht genial, aber wir kommen hin.“

Verträge kündigen

Eigentlich hätte Dietrich die bereits geschlossenen Verträge kündigen können. Rechtlich sei das möglich, erklärt der Intendant – mit dem Hinweis auf höhere Gewalt. „Das wollen wir natürlich nicht, das macht man nicht.“

Von kleinen Kulturbeiträgen seiner Ensemblemitglieder hält Dietrich indes wenig. „Wir wollen nicht noch mehr durchs Netz jagen“, erklärt er mit Blick auf die virtuellen Programme anderer Häuser während der Corona-Krise. Sie seien auf der Suche nach Programmen, die sinnvoll sind.

Konzert vor der Universitätsmedizin

Eine Idee hat die JT-Crew bereits umgesetzt: ein Konzert am Ostersonntag vor der Universitätsmedizin Göttingen für die Mitarbeiter und Patienten. Weitere Konzerte mit Liedern aus den Musikproduktionen der vergangenen Jahre werden derzeit vorbereitet.

Die Bewohner des GDA-Wohnstifts, die ihre Wohnungen derzeit nicht verlassen dürfen, sollen in den Genuss eines Konzertes vor den drei Wohntürmen kommen. Jedes Gebäudes soll von zwei Seiten bespielt werden – sechs Konzerte in zwei Tagen kommen so zusammen.

Schauspieler im Homeoffice

Ansonsten arbeiten die Schauspieler im Homeoffice an ihren Texten von Produktionen, die noch bis zum Ende dieser Spielzeit oder auch in der kommenden Saison auf dem Programm stehen. Sollte das Vorstellungsverbot aufgehoben werden, könnten sie diese Inszenierungen sehr schnell auf die Bühne bringen.

Übermäßig optimistisch zeigt sich Dietrich allerdings nicht, was die Wiederaufnahme eines geregelten Theaterbetriebs angeht. „Ich sehe die kommende Spielzeit noch nicht scharf vor meinen Augen.“ Im schlimmsten Fall sieht er den Start erst im neuen Kalenderjahr.

Neue Formate ausdenken

Bis dahin will sich das JT-Team neue Formate ausdenken und vielleicht ein paar Clips drehen – und nach sinnvollen Dingen suchen, die die Kollegen unternehmen könnten. Ein gutes Dutzend Mitarbeiter sei derzeit arbeitslos. Da kann sich Dietrich auch einen Ernteeinsatz für die Mitarbeiter vorstellen.

Junges Theater
Wie kann ich helfen?
  • Gutscheine
Adresse
Bürgerstraße 15, 37073 Göttingen